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Zwischen Gier und Bescheidenheit

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“. (Deutsches Sprichwort)

Diesem Spruch scheinen dieser Tage viele zu folgen. Bestes Beispiel: Die derzeit laufende Fußball-WM. Es ist ein Turnier in bislang unbekannten Dimensionen – mit 48 Mannschaften, 16tel-Finale und exorbitant hohen Ticketpreisen. Bekannt dafür, jede Bescheidenheit abzulegen, ist aber nicht nur die Fifa, sondern auch Elon Musk. Er brachte seine Firma SpaceX im Juni an die Börse und es war mit einem Emissionserlös von 75 Milliarden US-Dollar das größte Initial Public Offering (IPO) aller Zeiten.
Das ist aber nur ein Superlativ bei SpaceX. Der Konzern kommt auf eine Marktkapitalisierung von etwa zwei Billionen Dollar, zählt damit zu den zehn größten Unternehmen der Welt und weist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis bei über 100 auf. Dazu kommt: Von Musk persönlich ausgewählte Altaktionäre waren nicht an die Sperrfrist gebunden und konnten sofort Kasse machen. Die Musk-Jünger, die davon ausgehen, dass der Tesla-Gründer aus allem Gold machen kann, stört das nicht. Der Börsengang war um das Drei- bis Vierfache überzeichnet.

Starke Gewinne, KI und Hoffnung auf Frieden in Nahost

Und SpaceX ist nicht allein in diesem Jahr. Der Chiphersteller Cerebras Systems ging im Mai auf das Parkett, Anthropic, vielleicht OpenAI sollen folgen. Angetrieben vom Tech-Bereich dürfte 2026 laut Goldman Sachs das bisher emissionsstärkste Jahr werden. Dass der Markt Milliarden-IPOs wie SpaceX problemlos aufnimmt, ist ein Indiz für dessen gute Verfassung. Angetrieben von starken Gewinnmeldungen und massiven Investitionen in die KI-Infrastruktur sowie die dadurch angetriebene globale Nachfrage nach Halbleitern erreichten die US-Aktienmärkte neue Höchststände. Allerdings sind die Gewinnerwartungen der Anleger für die Chip-Branche mittlerweile extrem hoch.
Dazu kommt die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump hat schon oft einen Deal angekündigt, es könnte dieses Mal aber tatsächlich so kommen. Immerhin hat niemand Interesse an einer Fortsetzung des Krieges. Zu dem Verlust an Menschenleben kommen immense Kosten für die USA und die gestiegene Inflation, die die Verbraucher weltweit belasten. Zwar sieht es derzeit danach aus, dass Trump nicht mehr als den Status quo vor Kriegsbeginn erreicht, er dürfte es aber – wie üblich – dennoch wie einen Sieg feiern.

Restriktivere Geldpolitik

Allerdings hat sich der Waffenstillstand als brüchig erwiesen. Bis zu einem wirklichen Frieden dürfte es dauern. Das könnte, auch vor dem Hintergrund einer recht erratischen US-Politik, weiter für Volatilität am Markt sorgen. Dazu kommt eine angespannte Zinsseite. Zwar lässt die Inflationsgefahr nun, da die Straße von Hormus wieder geöffnet ist, nach. Bis die Inflationsrate aber deutlich zurückgeht, wird noch einige Zeit vergehen. Die ursprünglich erwarteten Zinssenkungen wurden deshalb verschoben. Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Juni die Zinsen um 25 Basispunkte auf 2,40 Prozent erhöht.
Auf der anderen Seite des Atlantiks kam der neue Fed-Chef Kevin Warsh zu seinem ersten Auftritt. Und er scheint – anders als von vielen befürchtet – nicht nach Trumps Pfeife zu tanzen. Warsh, überraschte mit der Aussage, dass „Inflation eine Wahl“ sei. Das deutet daraufhin, dass er gewillt ist, die Inflation, die in den USA zuletzt bei 4,2 Prozent lag, mit höheren Zinsen zu bekämpfen – auch gegen Trumps Willen.

Kapitalmärkte

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Warnung vor Übertreibungen

In Folge dieser geänderten Zinspolitik sind die Rendi-ten bei sicheren Staatsanleihen gestiegen, womit sie zunehmend zur Alternative für Aktien werden.
Dazu kommen die jüngsten Exzesse der Neuemission bei SpaceX, die Erinnerungen an die wilde Zeit des Neuen Marktes zu Beginn des Jahrtausends erwachen lassen. Setzt sich das fort, könnte es ein erstes Indiz dafür sein, dass wir auf Dauer in eine Übertreibungsphase laufen. Finanzaufseher wie die ESMA-Chefin Verena Ross warnen schon, dass „das Risiko von Rückschlägen an den Aktienmärkten hoch sei.“
Doch gibt es auch Gründe, optimistisch zu sein. Im Unterschied zur New-Economy-Blase verdienen die Technologiekonzerne richtig Geld. Alphabet verbuchte 2025 einen Rekordgewinn von 132 Milliarden Dollar. Die Facebook-Mutter Meta Platforms verdiente im ersten Quartal 2026 knapp 27 Milliarden Dollar. Die massiven KI-Investitionen erscheinen da stemmbar.
Kommt es zu einem nachhaltigen Frieden im Iran, dann dürfte auch eine tiefe Rezession oder eine globale Wirtschaftskrise vermieden werden.
Dennoch wurden die Prognosen für das weltweite Wachstum leicht zurückgenommen. Das gilt – im Reformsommer 2026 – auch für Deutschland.
Die entscheidende Frage wird sein, ob es der aktuellen Regierung doch gelingt, mit Infrastrukturinvestitionen und den angekündigten Reformen die Konjunktur zu beleben.
Dann könnten gerade Nebenwerte eine Chance bieten, die nach wie vor den großen Unternehmen hinterherhinken. Das gilt umso mehr, wenn die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine wieder aufgenommen werden und vielleicht doch irgendwann die Waffen schweigen.

FAZIT: Diversifikation ist Trumpf

Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran ist fragil. Gleichzeitig sind steigende Zinsen zu befürchten. Anleger müssen deshalb weiter mit Phasen hoher Volatilität rechnen. Sie sollten sich deshalb von kurzfristigen Entwicklungen lösen und eine langfristige Sicht einnehmen.
Und es ist angesichts der bestehenden Risiken nicht die Zeit, gierig zu sein. Diversifikation bleibt deshalb wichtig.
Dazu eignen sich Anleihen guter Bonität mit maximal mittleren Laufzeiten, ebenso wie Floating Rate Notes, also variabel verzinste Papiere. Bei Aktien ist der Technologiebereich zwar weiter attraktiv, dennoch bleibt eine breite Streuung entscheidend. Das schließt die Emerging Markets mit ein.
In jedem Fall gilt es bei Aktien weltweit zu streuen und auf Qualität zu achten. Dabei sind auch Substanzwerte aus dem Rohstoffbereich zu berücksichtigen, da diese sich bei einer positiven Konjunkturentwicklung überdurchschnittlich entwickeln dürften. Das gilt auch für Silber. Es ist zwar volatil, entwickelt sich aber dynamischer als sein großer Bruder Gold.
Gold selbst eignet sich im Fall von Marktverwerfungen und angesichts der immensen internationalen Verschuldung als Stabilisator.
Nach dem deutlichen Rückgang des Goldpreises seit Jahresbeginn, könnte es nun eine interessante Phase sein, um Positionen aufzubauen oder neu einzusteigen. Großanleger sind weiter auf der Kaufseite. Chinas Notenbank kaufte im Juni 480.000 Feinunzen, die stärksten Käufe seit Oktober 2023.

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