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Donald macht’s möglich – alles bleibt unsicher

Seit Donald Trump zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist, ist die Welt von einer selten dagewesenen Unsicherheit geprägt. Immer wieder widerspricht er sich mit seinen Aussagen und macht häufige Kehrtwendungen. So auch jetzt mehrfach beim Krieg gegen den Iran, den die USA zusammen mit Israel am 28. Februar begonnen hatten.
Beispiele gefällig? Am 10. März verkündete Trump, dass die USA den „Krieg gewonnen“ hätten. Kurz danach forderte er nicht nur die Unterstützung der Nato-Partner, sondern verlegte Bodentruppen in die Region. Ein Ultimatum an den Iran wurde mehrfach verschoben. Anfang April stimmte er die Märkte auf zwei bis drei weitere harte Wochen bis zum Kriegsende ein.
Besonders kurios: Der Iran dementierte zwischenzeitlich, dass Gespräche überhaupt stattfanden. Doch dann kam es, kurz vor Ablauf des von Donald Trump gesetzten Ultimatums und bevor der Krieg weiter eskalierte, doch noch zu einer – vorläufigen – Einigung.
Die USA und der Iran verständigten sich aktuell auf eine Waffenruhe während der auf zwei Wochen angesetzten Verhandlungen in Pakistan.

Straße von Hormus – ein Nadelöhr

Wenngleich die Aktienmärkte die Waffenruhe frenetisch feierten, ist es wohl für ein entspanntes Zurücklehnen noch zu früh. Auch wenn der Ölpreis nach der Bekanntgabe des Waffenstillstandes vorerst stark nachgab und die Aktienmärkte deutlich anzogen, die Unsicherheit bleibt. Denn die wirtschaftlichen Folgen der zwischenzeitlichen Sperrung der Straße von Hormus sind erst einmal spürbar – und keiner weiß, wie lange. Denn durch die Meerenge werden jeden Tag rund 20 Millionen Barrel Rohöl transportiert, etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs. Dazu kommen Flüssigerdgas, Helium sowie die Düngemittelproduktion, die maßgeblich in dieser Region stattfindet. Seit einigen Wochen ist die Versorgung der Welt mit diesen Produkten stark eingeschränkt – mit Folgen für die Märkte und die Weltwirtschaft.
Der Ölpreis notiert immer noch rund 30 Prozent über dem Stand vor Kriegsbeginn. Es kam nachhaltig zu signifikanten Beeinträchtigungen bei der internationalen Öl- und Gasproduktion, vor allem im Nahen Osten. Die Inflation zog bereits an. Im März verzeichnete der Euroraum einen Anstieg der Teuerungsrate um 2,5 Prozent – nach 1,9 Prozent im Vormonat. Und selbst in den USA – ein Nettoölexporteur – stiegen die Preise an den Zapfsäulen deutlich. Alles hängt jetzt davon ab, wie es mit den Verhandlungen weitergeht. Bleiben sie ergebnislos und der Krieg wird fortgeführt, dann könnte eine erneute Eskalation noch sehr viel deutlichere Bremsspuren in der Weltwirtschaft und an den Aktien- und Rentenmärkten hinterlassen. Allerdings haben nicht viele Länder Interesse an einem extrem teuren Öl, welches nur zu einer globalen Rezession führen könnte.

Kapitalmärkte

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Weiter Stochern im Nebel

Kommt es jedoch zu einem dauerhaften Frieden, dann wäre der Ölpreisschock und der dadurch ausgelöste Inflationsanstieg nur vorübergehend. Eine Reaktion der Notenbanken würde das nicht rechtfertigen. Soweit es die Aktienmärkte betrifft, kann immer der Blick auf das Marktsentiment hilfreich sein. So zeigt der „Fear-and-Greed-Index“ von CNN Anfang April einen Stand von 22 von 100 Punkten. Das heißt, der Markt wird trotz der Waffenruhe von Angst getrieben. Also eine Chance, jetzt einzusteigen?
Die noch vorherrschende Angst ist wenig verwunderlich. Denn angesichts der permanenten Kehrtwendungen von Trump stochern Investoren weiter im Nebel. Statt also auf jede Nachricht zu reagieren, ist es für langfristig ausgerichtete Anleger am besten, Ruhe zu bewahren und durch den Lärm der Berichterstattung und die tagtägliche Volatilität hindurchzuschauen.
Denn wer sich die Entwicklung an den Märkten langfristig anschaut, stellt fest, dass die Katastrophen der Vergangenheit wie das Platzen der New-Economy-Blase, die Pleite von Lehman Brothers, der Ausbruch der Corona-Pandemie oder der Ukraine-Krieg jeweils nur zwischenzeitliche Kurseinbrüche zur Folge hatten. Sie wurden rasch wieder aufgeholt. Im Langfristchart sind sie fast nicht mehr wahrnehmbar.

Schlussfolgerungen für Anleger

Seriöse Prognosen bleiben angesichts der enormen Unsicherheiten sehr schwierig. Für Anleger ist es deshalb am besten investiert zu bleiben, dabei aber weiter auf eine breite Diversifikation zu achten. Wer sich angesichts der anhaltenden Unsicherheit weiter vorsichtig positionieren möchte, sollte auf der Zinsseite eher am Geldmarkt investiert bleiben bzw. Anleihen guter Bonität mit mittlerer Laufzeit bevorzugen.
Auch variabel verzinste Anleihen, sogenannte Floater, können im aktuellen Umfeld, da Zinserhöhungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden können, eine Alternative sein. Ebenso wie inflationsindexierte Staatsanleihen, die einen Inflationsausgleich bieten.
Womöglich ist auch eine etwas höhere Cash-Position sinnvoll. Und zur mittel- bis langfristigen Stabilisierung des Portfolios bietet sich Gold – das nach dem starken Anstieg im vergangenen Jahr wieder günstiger ist – zur Depotstabilisierung an.
Bei Aktien könnte im aktuellen Umfeld eine leichte Untergewichtung ratsam sein. Dabei sollten Anleger aber weiter breit diversifizieren. Regional betrachtet können Aktien aus den Emerging Markets ein leichtes Übergewicht vertragen, da sie sich derzeit durch gute Fundamentaldaten und eine niedrige Bewertung auszeichnen.
Dagegen leidet Europa vorerst noch unter seiner hohen Rohstoffabhängigkeit und den Folgewirkungen der Sperrung der Straße von Hormus sowie der Zerstörung von Öl- und Gasanlagen. Wie stark auf Dauer das Wachstum davon beeinträchtigt wird, ist schwer zu sagen. Eventuelle Zinserhöhungen der EZB wären derzeit für Europas labile Wirtschaft Gift.

Qualität bevorzugt

Doch am wichtigsten ist es für Anleger im aktuell unsicheren Umfeld auf Qualität zu achten. Das sind Unternehmen mit starken Bilanzen, zukunftsfähigen Geschäftsmodellen, günstiger Bewertung und einem sogenannten Burggraben. Solche Unternehmen haben ein schwer angreifbares Geschäftsmodell, also Marktführerschaft in ihrem Segment und dadurch eine gewisse Preissetzungsmacht.
Dabei sollte auch der Technologiebereich nicht vernachlässigt werden. Denn da sich das Thema Künstliche Intelligenz – unabhängig von den aktuellen sehr lauten Nebengeräuschen – weiter entwickeln wird, sind auch hier qualitativ gute Unternehmen, die nach den jüngsten Kursverlusten inzwischen nicht mehr so teuer sind, wieder einen Blick wert.
Wer langfristig investiert und über die aktuelle Situation hinausblickt, für den können sich in nächster Zeit – wenn sich ein Erfolg bei den Friedensverhandlungen abzeichnet – Chancen ergeben. Sollten verunsicherte Anleger vor der Frage stehen „jetzt investieren oder abwarten?“ empfehlen sich zeitlich gestaffelte Teilinvestments verteilt über die kommenden Monate.